Wird das Vermissen jemals aufhören? Ungewollte Vaterschaft.

Eigentlich sollte ich laut jauchzend durch die Gegend springen, dankbar für mein neues Leben sein und mich an dem erfreuen, was ich mir so sehr gewünscht habe: eine eigene Familie. Aber ich kann nicht. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als mich endlich vollkommen freuen zu können.

Ja, ich bin glücklich. Ich habe ein gesundes, wunderbares und verrücktes Kind, dass mein Herz jeden Tag größer werden lässt. Und ich habe einen Mann, einen Gefährten. Jemanden, mit dem ich das Leben nun teile. Aber irgendwas stimmt immer noch nicht. Mich blockiert etwas.

Seit es HerrnRaufuss gibt kann ich nachts wieder schlafen, habe keine Panikattacken mehr und mein Vater erscheint mir nicht mehr jede Nacht. Die Nächte, die ich alleine zu Haus verbringe werden wieder schlimmer. Erst wenn ich richtig müde bin, kann ich schlafen. Denn sonst fängt die Gedankenspirale an und ich merke, dieses Kapitel ist einfach noch nicht bearbeitet. Ich fühle mich an die Seite gedrängt, nicht gewollt und wertlos. Als Anna vor kurzem über ungewollte Mutterschaft sprach, ging mir ein Licht auf. Mein Vater ist ungewollt Vater geworden und hat es bis zum heutigen Nacht nicht verarbeitet.

Schon oft habe ich mich gefragt, warum ich nicht vertrauen kann. Warum ich immer und immer wieder vor den gleichen Problemen stehe. Es ist ein Kreislauf, den ich endlich unterbrechen möchte. In diesem Problem liegt der Ursprung für all meine Probleme. Ich kann nicht lange alleine sein, dann drehe ich durch. Mein Kopf arbeitet permanent, schaltet nicht ab und entwickelt Panik. Hier liegt der Grund für meine schwere postpartale Depression, Angst vor dem Alleine sein, vor dem Zurückgewiesen werden und Angst davor, dass es meiner Tochter wohlmöglich auch so gehen würde.

Kein Kind auf dieser Welt sollte diese Gefühle haben. Nicht mit 5 wenn der eigene Vater Kindergartenfeste nicht mitfeiert, nicht mit 11 wenn die Einschulung auf die weiterführende Schule vor der Tür steht, nicht mit 19 wenn es Abitur macht und auch nicht, wenn es mit 21 Jahren eine wundervolle Tochter auf die Welt bringt. Nicht wenn es den wundervollsten und verständnisvollsten Mann auf der Welt heiratet.

Wann hört es endlich auf? Ich will diesen Menschen nicht mehr vermissen und doch sitze ich hier und die Tränen laufen und laufen. Ich möchte ihm mein Leben zeigen, dass was wir hier gemeinsam geschaffen haben. Ich möchte mit ihm ein ganz normales Leben führen. Und dann klopft die Realität, mein Kopf. Dieser hat viel gelernt, ist reifer geworden, erwachsener, reflektierter und hat sein Leben lang nach Antworten gesucht. Manchmal frage ich mich, ob ich gerade diesen Weg gewählt habe, um Antworten zu bekommen. Mein Kopf sagt, dass es jetzt gut ist. Dass ich aufhören soll, dass er nicht kommen wird. Dass ich froh sein soll, dass er nicht da ist. Denn er würde es mir nicht gönnen.

Meine eigene Mutterschaft hat mir gezeigt, dass die Liebe zum eigenen Kind das Größte und wunderbarste auf der Welt ist. Ein unbezahlbares Glück und Geschenk.

Ich möchte aufhören können zu vermissen. Ungewollte Vaterschaft? Ja, die gibt es. Sie tut weh, erniedrigt und steht ständig im Weg. Sie blockiert dich, macht dich traurig, auch wenn du gerade glücklich sein solltest. Sie ist Schuld daran, dass du an deiner eigenen Elternrolle zweifelst, weil du das Gefühl hast, nicht genug zu geben. Wem sie weh tut? Dem Kind. Und nicht dem Vater.

Alleine sein ist scheiße. Und ich war es immer und werde es immer sein. Die Zeit wird zeigen, ob ich aufhören kann zu vermissen.

FrauRaufuss

6 Kommentare zu “Wird das Vermissen jemals aufhören? Ungewollte Vaterschaft.

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Ich frage mich auch, ob das jemals aufhört.

    Ich drück dich! <3 <3

  2. Ja, ich gebe dir recht, dass sie dem Kind weh tut, sehr sogar. Und davor habe ich für meine Kinder Angst. Aber ich denke dass der Nachsatz „und nicht dem Vater“ nicht gänzlich und immer stimmt. Sogar eher selten. Denn ich denke, dass es den Vätern auch sehr weh tut. Anders und jeder geht Ander, nicht immer korrekt, damit um. Und das Kind/die Kinder haben davon auch nix bzw macht es ihr Leiden nicht kleiner oder weniger. Aber den Vätern daher so pauschal ihr Leiden abzusprechen finde ich nicht richtig.

  3. Eine Psychologin erklärte mir mal, dass das Problem sei, dass man seine Eltern liebe, egal, was sie einem angetan haben… …und so lassen einen auch solche Väter oder Mütter nicht los.

  4. Oh ich kenne das so gut! Die Konstellation ist bei mir eine andere, aber das Gefühl des nicht gewollt seins sitzt sehr tief und macht soviel mit einem. Ich habe das Thema mit Anfang 20 aufgearbeitet (auch nur weil es mir damals so schlecht ging dass ich keine Wahl mehr hatte) und habe jetzt mit Ende 20 das Gefühl da gut mit Zurecht zu kommen. Ich kann dir also nur Mut machen: Das Thema lässt einen nie ganz los und es wird immer wunde Punkte (zb das Desinteresse am Enkelkind) geben, aber es kann definitiv besser und gut werden! Bei mir hatte das auch viel mit Verzeihen u Akteptieren zutun, aber das ist sicher individuell. Ganz viel Kraft und Liebe für dich!

  5. Danke! Ich glaube auch, dass das Phasen sind die mal wieder mehr da sind und mal weniger…

  6. Das glaube ich auch!

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