Wie Frau Raufuss einmal flippte #Patchwork

Ernsthaft. Da habe ich einmal vor, die Freitagslieblinge für die Berlinmittemom zu machen, schieße fleißig Fotos (einarmig!!!) und nörgele dem Mann die Ohren voll, dass er mir helfen muss und bums, das normale Leben holt mich zurück in den Alltag.

Nicht nur, dass der Gips und ich keine Freunde mehr werden (ich hätte niemals gedacht, dass es so verdammt schwer ist auf einen Arm zu verzichten), das Leben mit Mann und Kind ist gerade einfach scheiße. Ich bin mit mir unzufrieden, habe das Gefühl meinen Rollen nicht gerecht zu werden und ständig nörgelt irgendwer an mir rum. Natürlich bin ich nicht perfekt, ich bin glaub ich die erste, die wissen sollte, dass es da genug Handlungsbedarf gibt. Ich bin aber so wie ich bin. Dazu gehören meine Launen, meine chaotische Art, mein Chaos im Kopf. Ebenso aber auch mein großes Herz und das Bedürfnis es allen recht zu machen.

Die ständige Nörgelei des Kindes, man glaubt garnicht an wie vielen Dingen man rum meckern kann, gepaart mit meiner kurzfristigen Einschränkung, ist für unsere Umgebung gerade kein Zuckerschlecken. Die Frauen im Hause Raufuss haben gerade eindeutig Hormone. Und zwar die von der schlimmsten Sorte. Wir sind zickig, bockig, heulen ständig und haben jede Menge Stoff für unnütze Diskussionen. Warum das so ist? Ich weiß es.

Seit sechs Wochen nun versuchen wir im Hause Raufuss aus 2+1 eine Familie zu machen. Dabei verlieren wir im Alltag ganz oft die Bedürfnisse eines jeden. Gerade ich vergesse oft wie wichtig Kompromisse und Gespräche sind. Mein Dickkopf ist mir ständig im Weg. Hätte ja auch klappen können, da heiratet man einen schönen Mann, findet eine schöne Wohnung und bums, läuft es. Hätte hätte… ist aber nicht so. Zu einer Familie gehört wohl mehr. Dieser Weg ist gerade ganz am Anfang. Vielleicht müssen wir auch noch mal eine Kurve laufen, gerade bin ich sogar davon überzeugt, dass wir noch vor vielen Abzweigungen stehen werden. Eine Flasche Wasser hat das Fass heute zum Überlaufen gebracht. „Mama, ich hab Durst, kauf mir eine Fanta.“ „Ähm, so schon mal garnicht. Wenn Du Durst hast, können wir ein Wasser kaufen und das Bitte vergessen wir auch nicht.“ Reaktion des Kindes: Tobsuchtsanfall, auf den Boden schmeißen und die Mutter natürlich laut beschimpfen. Dabei mussten wir dem Kalinchen nur ein paar Fussballschuhe kaufen. Ihre schlechte Laune und die immer wiederkehrenden Verhaltensauffälligkeiten, die sie momentan täglich mit sich führt, haben mir heute einen filmreifen Auftritt beschert. Ernsthaft. Mitten an der Kasse bin ich einfach geplatzt. Ich habe rumgeschrien, wild gestikuliert und den halben Laden unterhalten. Hochrot und peinlich berührt haben wir nach dem Bezahlen den Laden verlassen. An der Bushaltestelle habe ich zu allem Überfluss auch noch die eh schon doofe Flasche doof geöffnet und ihr dann über ihren Schal gekippt. Wutanfall, kann ich auch.

Jetzt sitze ich hier, meine Augen sind ganz rot und brennen und ich fühle mich wie die schlechteste Mutter der Welt. Der Mann sagt zwar, dass ich das nicht bin und dass das eben dazu gehört (ab und zu höre ich ja schon auf ihn). Ich mag aber gerade ein wenig schmollen. Mich nervt der Arm, mich nervt die Uni und mich nervt, dass alles so langsam geht. Ey Frau Raufuss, entspann Dich mal.

Und jetzt mal unter uns, platzt Euch auch manchmal die Hutschnur?

DieRaufuss

PS: Für Rechtschreib- und Grammatikfehler ist die Diktierfunktion vom iPhone zuständig. Die Raufuss ist weiterhin ein einarmiger Bandit.<3

6 Kommentare zu “Wie Frau Raufuss einmal flippte #Patchwork

  1. Ja, es gibt auch mal Tage, da schreie ich sehr laut oder sage oder tue etwas, was nicht so toll ist und mir auch sofort leid tut. Aber leider ist das nunmal menschlich… und eigentlich entschuldige ich mich dann bei meinem Sohn (3 Jahre) und hoffe das es dann auch wieder gut ist

  2. Glaub mir, das ist menschlich. Auch für eine Mutter.
    Mit meinen zwei Rabauken hier platzt mir öfters mal die Hutschnur. Ich finde das gar nicht gut und bereue es oft auch hinterher, aber die können einen mit ihren Trotzköpfen so in den Wahnsinn treiben, da bin ich halt dich auch nur Mensch.
    Die Jungs wissen dann aber auch, dass sie es übertrieben haben. Und erstaunlicherweise entschuldigen Sie sich dann bei mir, weil sie mich so geärgert haben.
    Also mach dir deswegen mal keinen Kopf. Auch Mütter dürfen ihren Frust zeigen.
    LG Nicole

  3. Du bist nicht allein. Master oft Hutschnurplatzen antwortet hier. Ich nenne mich dann die Mama Potzenklotz. 😀

    Ich finde das nicht schlimm. Und bis zum heutigen Tag haben meine Kinder mir meine Mama Error-Phasen überhaupt nicht übel genommen.

    Und als Leser muss man lachen, wenn man deinen Bericht liest. Nicht aus Schadenfreude, nicht aus Empathielosigkeit, sondern weil man das so gut kennt!

    Alles wird gut! 😀

    LG

  4. Christiane

    Danke für deine Ehrlichkeit. Viel besser als diese Mütter, die einem ständig vermitteln immer alles im Griff zu haben. Wir haben zwei kleine Jungs und ich kann dich so gut verstehen …

  5. Du bist nicht allein. Hier ist es gerade echt schwierig und letztes Wochenende total eskaliert. An manchen Tagen ist einfach keine Geduld mehr übrig.
    Gräme dich nicht. Alles braucht seine Zeit.

  6. Wenn der Stress-Pegel schon hoch ist, zum Beispiel durch die Einschränkungen mit dem Arm, Uni etc. dann ist das Kind nur der Tropfen auf dem heißen Stein. In der Mutter-Kind-Kur wurde es im Stress-Vortrag so erklärt: Wir haben alle ein „Stress-Fass“ und das hat einen Bodensatz und wenn dieser schon sehr voll gepackt ist, ist für die akuten Stress-Situationen kein Platz mehr. Sprich man muss besonders an dem Bodensatz arbeiten, denn die aktuen Situationen kann man meist nicht verhindern, aber man kann dann ruhiger bleiben, wenn der Bodensatz klein ist: Also: Auszeiten für sich selbst festsetzen, wirklich ohne schlechtes Gewissen, Dinge abgeben und Sachen von der To-Do-Liste streichen oder verschieben, die nicht wirklich wichtig sind. Ein Beispiel: Warum müssen wir zu dritt einkaufen gehen? Reicht doch wenn einer geht. Bei Dingen, bei denen das Kind dabei sein muss, reicht eigentlich auch ein Erwachsener. – Ich bin ja auch mit dem Hintergrund in Mu-Ki-Ku gewesen dass ich Hilfe brauche im Familien-Alltag, denn ich empfinde mich selbst als sehr oft die Kontrolle-verlierend. Dann hatten wir dort eine Gruppenaufgabe, in der sich alle gegenseitig sagen sollen, was sie am anderen positiv finden und ich habe von zwei Müttern gesagt bekommen, dass sie meine Ruhe bewundern. Es ist schon seltsam, wie man sich selbst sieht und wie die anderen einen sehen. Bestimmt haben viele in dieser Situation im Schuhladen gedacht: Das wäre mir jetzt auch so gegangen oder „ich wäre schon viel früher ausgerastet“ wer weiß. Und oft ist man auch auf sich selbst sauer, wie du schon sagst: Man bekommt dann das Gefühl man ist eine schlechte Mutter und das Kind rastet aus weil wir ihm vielleicht zu wenig Grenzen setzen. Aber diese Trotzanfälle sind sehr üblich für das Alter, man muss sich denken: Für das Kind ist es gerade ein kleiner Weltuntergang auch wenn es „nur“ um eine Limo geht. Bei uns gibt es Limo eigentlich auch nur an Geburtstagen ansonsten Wasser und vielleicht mal eine Apfelsaftschorle als Kompromiss. Liebe Grüße, Ella

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