Wenn dich das Leben einholt…

Liebe Märry,

was ist denn bitte wieder los? Du sitzt gerade wie ein Häufchen Elend in deinem Bett, um dich herum liegen stapelweise Zettel aus der Uni, die du im Übrigen schon letzte Woche sortieren wolltest, das Umzugschaos nimmt Gestalt an und du solltest dringend mal wieder deine Tüte mit dem Make-up öffnen. Deine Augenringe verraten: du befindest dich mal wieder in deiner kleinen tiefen Höhle. Dabei warst du doch gerade dabei dich zu berappeln, hast wundervolle und gleichzeitige anstrengende Wochen hinter dir und solltest zufrieden nach vorne sehen.

Was da los ist? Gestern Abend hast du es verstanden. Deine Wunden sind tief, sie sind jeden Tag da und du musst verdammt nochmal endlich anfangen aus diesem Schmerz Kraft zu tanken. Du musst aufhören dich immer und immer wieder runterziehen zu lassen, andere Menschen für dein Wohl verantwortlich zu machen und aufhören auf deinen Dickkopf zu bestehen. Du solltest anfangen dein Chaos zu organisieren und zu akzeptieren, dass dein Tag auch nur 24 Stunden hat, dass deine Kräfte aufgebraucht sind und dass du eben doch nur ein Mensch bist.

Erinnere dich, was Tante Lea dir gesagt hat: du sollst aufhören einfach nur zu funktionieren. Setz dich mit deinen Problemen auseinander, akzeptiere, dass du gewisse Dinge nicht ändern kannst. Dein Leben verändert sich gerade, dass weiss ich. Es geht alles sehr schnell, bedenke aber warum es so schnell geht. Du hast jemanden gefunden, der dich mit all deinen Macken und Lastern gelernt hat zu lieben. Das Leben ist kein Ponyhof und alle hüpfen grinsend und lachend durch die Gegend. Das Leben ist Realität. Es ist mal hell und mal dunkel. Mal ist ein Tag schwer und schlimm, ein anderer hingegen ist dann wieder wundervoll, warm und bringt dich nach vorne. Du musst lernen nach hinten zu schauen und zu sehen, was du alles schon geschafft hast. Vor einem Jahr wusstest du nicht wie du deine Miete zahlen sollst, du wusstest nicht, ob du weiter studieren kannst. Und jetzt? Du hast die ersten Leistungen für den Master erbracht, denkst über deine Masterthesis nach, schaust nach Schulen für dein Referendariat. Du hast das Schreiben zu deinem Beruf gemacht, du hast alles auf eine Karte gesetzt. Sei doch einfach mal Stolz auf dich. Schau in den Spiegel und akzeptiere, dass es egal ist, ob andere deinen Erfolg sehen, loben und anerkennen. Das Wichtigste ist doch, dass du endlich anfängst, deinen weiten Weg zu genießen.

Weißt du noch, als du vor 4 Jahren mit dem Kinderwagen auf der Promenade standest und dieses Kind nicht lieben konntest? Heute hast du den ganzen Nachmittag mit diesem Kind gebacken, gekocht, gelacht. Ihr habt euch in die Arme genommen, habt euch geküsst und du hast ein unbeschreibliches Gefühl gespürt. Du liebst deine Tochter abgöttisch und hast ihre kleinen Hände auf deinem Bauch total genossen. Du bist eine starke Frau, nutze diese Stärke und Wandel sie um. Lass deinen Mann an deinen Gefühlen Teil haben, fang an dich mit deinen Schwächen auseinander zu setzen und sei dankbar für all das, was dir in deinem Leben geschenkt wurde.

Dein Opa würde jetzt sagen: Mädchen, steh auf. Wasch dir die Heulerei aus den Augen und schick dich.

Dein Kopf, dein Verstand, dein Bauch und dein Herz !

5 Kommentare zu “Wenn dich das Leben einholt…

  1. Jetzt hab ich da was im Auge….
    Traurig sein ist okay, aber du bist toll und das MUSST du kapieren, dabei kann dir niemand helfen. Also steh auf, schau auf all die Sonnenstrahlen die dir jeden Tag ins Gesicht und ins Herz scheinen <345
    Du bist schon genau richtig so wie du bist!

  2. Du bist wundervoll!!!
    Lass uns zusammen kurz in die Finsternis schauen, damit wir ihr gemeinsam den Stinkefinger zeigen, eine zweiminütige Fäkal-Schimpfort-Kampfansage um die Ohren brüllen und dann laufen wir los, der Sonne entgegen! Und lachen und lieben.
    Wir lassen das dunkle Loch hinter uns – vergessen es aber nicht – und machen weiter als Mutter, als geliebte Frau und als verrücktes Huhn.
    Virtuell. Real. Egal ;o) Und das immer wieder!!!

  3. Ach Bella, ich hab jetzt auch was im Auge! Danke!

  4. Ach du <3. Jetzt lache ich ! Du bist auch wundervoll...

  5. Liebe Frau Rauhfuss, unbekannterweise alles Liebe!!! Du bist dir der wichtigste Mensch in deinem Leben. Auch das muss man ganz langsam für sich selbst rausfinden, dass man zu sich selbst gut sein muss. Sonst tut es keiner. Zu sich selbst ist man am strengsten? Würdest du mit deiner besten Freundin genauso hart ins Gericht gehen wie mit dir? Schau auf dich, mach Pausen, du hast es dir verdient! Du bist nicht für alles und jeden zuständig. Ich weiss wie es ist, wenn man sich teilweise selbst die Lebensfreude abdrückt und meint „das geht schon noch“. Nix geht. Was hat man davon? Man braucht doppelt so lang sich zum darappeln. Wenn du merkst, die Laune sinkt, die Energie verflutscht….. Versuch gegenzusteuern… Kleine Auszeiten. Sich gutes tun.
    Dein Blog liest sich so schön und scheinbar bist du ein herzensguter Mensch, was man so liest. Der sich auch viel Gedanken macht. Aber eben drum, vergiss nicht auf die schönen Dinge! Schau auf dich!
    Das braucht immer wieder Übung und Achtsamkeit. Aber hey, wenn ich das schaffe, dann du auch.

    Liebe Grüsse

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