Vertrauen ins eigene Kind. „Hör mehr auf dein Bauchgefühl.“

Schon oft habe ich mich dabei erwischt, dass ich meiner Tochter zu wenig zutraue. Woran das liegt? In fast allen Situationen gehen in meinem Kopf die Alarmsignale an und ich mache mir Gedanken was passieren könnte. Aber warum machen wir Eltern das? Ist das Vertrauen in unser Kind nicht viel wichtiger?

Mein Bauch macht komische Sachen

Vor einigen Wochen war das Kalinchen zu einem Geburtstag eingeladen. Schon im Auto liefen ihr dicke Tränen über das Gesicht. „Mama, ich kann da auf gar keinen Fall hingehen. Nicht ohne dich.“ Ich fragte sie, warum es denn so schlimm sei, ohne mich irgendwo hinzugehen. Die Antwort konnte sie mir nicht geben, ihr Bauch würde aber so komische Sachen machen, wenn sie dran denken würde. „Ich möchte da so gerne hin, aber eben nur mit dir.“ Ich versprach ihr mit der Mutter zu sprechen und zu fragen, ob ich mitgehen könnte. Für mich ist es selbstverständlich, dass auch Eltern bei einem Kindergeburtstag dabei sein können. Denn nur weil man ein bestimmtes Alter erreicht hat, muss man ja nicht sofort auf Mama oder Papa verzichten. Und so ist es im Hause Raufuss immer so, dass viele Kinder ohne Eltern kommen und einige ihre Eltern mitbringen und es am Ende ein rauschendes Fest ist.

Am nächsten Tag suchte ich also das Gespräch. Und anders als erwartet gab sie mir eine Abfuhr. Sie würde sich nicht wohl dabei fühlen, wenn dann ein Elternteil mitkommen würde. Den ganzen Tag grübelte ich über diese Aussage nach. Natürlich kann ich verstehen, dass es für die anderen Kinder unfair wäre. Die Konsequenz wäre aber, dass mein Kind wohlmöglich nicht mitgehen würde. Am Abend besprachen das blonde Mädchen und ich, dass das ein Kindergeburtstag sei und Eltern lieber zu Hause bleiben sollten. Wieder dicke Tränen. „Aber Mama, dann kann ich da einfach nicht mitgehen. Ich schaff das nicht.“ Puh. Auch in mir fing es langsam an zu brodeln. „Ach Mäuschen, wir können ja überlegen, wie du es am besten schaffst.“ Und so schmiedeten wir den Plan, dass sie als erstes noch ein paar Tage Zeit bekam, um die Entscheidung zu treffen. Dann versprach ich ihr sie sofort abzuholen, wenn es ganz schlimm werden würde. Letztendlich erklärte ich ihr aber, dass diese Entscheidung nur von ihr getroffen werden könne und ich, egal wie sie sich entscheiden würde, ganz stolz auf sie wäre.

Bauchgefühl

Nachts lag ich lange wach. Mein Kopf platze. „Was tust du da? Warum lässt du ihr so viel Spielraum?“ Am nächsten Tag wusste ich, warum mein Körper dies tat. Mein Bauch. Dieser trifft Entscheidungen anders. Er traut Menschen mehr zu und signalisiert mir immer wieder, dass es ganz wichtig ist auf das Bauchgefühl zu hören. Dass es wichtig ist, dass das Kalinchen Erfahrungen machen muss und, dass ich sie dabei unterstützen muss. Neben mir lag ein blondes Mädchen, mit einem Lächeln und den großen braunen Augen wurde ich angeschaut. „Mama, ich hab mir das überlegt. Ohne dich gehe ich nicht. Mein Bauch will das so.“ Ich platze nach wie vor, vor Stolz. Denn wenn man mit fünf Jahren schon so unglaublich gut auf seinen Bauch hören kann, dafür eine coole Party sausen lässt, weil man sich eben nicht so wohlfühlt, dann ist man wohl ein ziemlich cooles Kind.

Der Mutter schrieb ich, dass das Kalinchen nicht kommen würde. Ich kann beide Seiten sehr gut verstehen und bin der Mutter überhaupt nicht böse. Mir hat es nur mal wieder gezeigt, dass Kinder sehr gut in der Lage sind eigene Entscheidungen zu treffen. In einem begrenzten Rahmen und mit viel Unterstützung. Die Konsequenzen sollten sichtbar sein und waren in diesem Fall, dass das Kalinchen eben nicht zur Party ging. Wir Eltern treffen viele Entscheidungen. Wir erstellen Listen, wägen positive und negative Aspekte gegeneinander ab und verlassen uns sehr oft auf unseren Kopf. Mir geht das im Alltag ganz genauso. Ich habe mir aber vorgenommen mehr auf meinen Bauch zu hören, mich nicht von außen beeinflussen zu lassen. Viel wichtig ist aber, dass ich dabei mein Kind immer im Blick habe. Als Mutter spürt man meistens einfach, was das Kind gerade braucht und was nicht. Hör auf dein Bauchgefühl, Frau Raufuss!

Wie hättet ihr euch entschieden? Hättet ihr einfach für euer Kind entschieden?

FrauRaufuss

2 Kommentare zu “Vertrauen ins eigene Kind. „Hör mehr auf dein Bauchgefühl.“

  1. Bei uns wäre es genau so gelaufen! Meine Tochter wollte schon öfter (aus verschiedenen Gründen) nicht auf Geburtstagspartys. Zuerst hab ich gedacht das es irgendwie “doof“ ist… aber dann hab ich drüber nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, das es total ok ist. Sie müsste den Tag dort verbringen, wenn sie das nicht möchte oder kann ist das völlig okay. Egal was da gerade der Grund ist!

  2. Ich finde es gut, dass du auf das Bauchgefühl deiner Tochter und irgendwie auch dein eigenes gehört hast!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: