Tschüss. Gedanken zum Jahreswechsel.

Was war das für ein Jahr. Von guter Laune bis zu tränenreichen Nächten war alles dabei. Ich könnte kein Wort für 2016 bestimmen. Es war bunt, laut, schmerzhaft, schön, traurig, warm, kalt, chaotisch, unkontrolliert, neu, erfolgreich, teuer und vor allem eins: anstrengend. Viel Positives wurde durch blöde unvorhersehbare Ereignisse nieder gemacht. Mir ist es oft schwer gefallen, das Positive zu sehen und meine erreichten Meilensteine einfach mal zu genießen. Das wird auch im nächsten Jahr eine meiner Baustellen sein, das war wohl immer so und ist ein Teil von mir.

Im Januar wusste ich nicht mehr, wie es weitergehen soll. Ich hatte keine Ahnung wie ich meine Miete und die Uni bezahlen sollte, wusste nicht wie ich meine Rechnungen bezahlen sollte und war psychisch ein totales Wrack. Meine Lebenslust und die komplette raufuss-Energie war aufgebraucht.Mit Mühe und Not schrieb ich meine Bachelorarbeit. Die Entscheidung für den Master traf ich nicht mit meinem Herzen und auch nicht mit dem Bauch. Es war eine reine Vernunft-Entscheidung. Theoretisch wäre der Master am Anfang des Jahres finanziell nicht drin gewesen. Mittlerweile fühlt sich diese Entscheidung aber richtig an. Das war immer mein Traum, ich habe gekämpft wie eine Löwin und jetzt ist alles zum Greifen nahe…die 2-3 Semester machen den Braten jetzt auch nicht fett. Natürlich wird das kein Spaziergang, wenn ich schon an die ganzen Hausarbeiten und Prüfungen denke…Puh. Das schaff ich aber!

Das Frühjahr war anstrengend und zermürbend. Eine langjährige Freundschaft hat den Prozess mit meinem Vater nicht überlebt. Viel zu viel hat sich in den zwei Jahren während dieser Phase aufgestaut und ich konnte nicht so da sein, wie ich es wollte. Der Prozess war und ist für mich eigentlich der Drehpunkt in diesem Jahr gewesen. Im Mai musste ich mit meinem Vater im gleichen Raum sitzen. Diese Begegnung hat mich sehr nach hinten geworfen, bereitet mir schlaflose Nächte und er fehlt mir zwischendurch sehr. In diese schweren und anstrengenden Zeit konnte ich mich aber immer auf mein Umfeld verlassen. Solche Ereignisse zeigen einfach, was Freundschaften aushalten können. 

Ich gehe stark davon aus, dass mich mein Vater weiterhin begleiten wird. Zwar nicht persönlich aber er wird immer ein Teil von mir sein. Ein Teil, der viel schönes verpasst. Das Kalinchen kann zum Beispiel seit dem Sommer Rad fahren, fängt an zu schreiben, baut wie verrückt Lego, ist an ihrer Umwelt interessiert wie nie und würde unsere Wohnung gerne mit ihren Kunstwerken verschönern. Sie ist der Grund, warum ich auch im tiefsten Loch den Weg nach oben finde. Die Zeit mit ihr bringt mich immer auf den Boden der Tatsachen: wir sind beide nicht sterbenskrank, haben ein Dach über dem Kopf und können uns jeden Tag ein frisches und warmes Essen leisten. Wir können ohne Luxusartikel leben, denn wir haben uns. Und all das verpasst mein Vater jeden Tag. Er war schon in meiner Kindheit nur eine Nebenfigur und ist im Leben meiner Tochter nur eine Rolle in meinem Kopf. Irgendwann, ja irgendwann wird sie fragen. Fragen, wo ihr Opa ist, wo ihre Herkunft ist und warum es ein Fotoalbum gibt, dass wir nie zusammen anschauen. Papa, du verpasst was!

Seit Mai geht meine Kurve steil nach oben. Der Berlintrip war wie immer viel zu kurz, hat mich aber in vielen Punkten weitergebracht. Im Sommer ist mir bewusste geworden, dass ich dringend etwas ändern muss. Und da bin ich dran. Entschleunigung und so. Aber man kann sich nicht von einem auf den anderen Tag ändern, das weiss ich. Nervt mich aber. Das abendliche Reflektieren im Bett war gerade in diesem Jahr sehr anstrengend. Mein Dickkopf muss endlich kleiner werden. Wie steht es schon in meinem Zeugnis der 1.Klasse: Marie hat eine starke Persönlichkeit und muss diese immer durchsetzen. Ja, ähm. Da is wohl was dran.

Uni-Technisch war das Jahr echt kurz und schnell vorbei. Ich habe so viele Hausarbeiten wie noch nie getippt, 2-3 liegen noch hier und schauen mich jeden Morgen ganz traurig an, habe Klausuren geschrieben und meinen Bachelor beendet. Frau Raufuss ist jetzt Bachelorette….

Und dann kam da dieser eine Tag. Ein Tag der mein und unser Leben verändert hat. Der private Höhenflug kann wegen mir die nächsten 40 Jahre so weiter gehen. Herr Raufuss ist die Schulter die ich lange gesucht habe. Er gibt mir Kraft und unterstützt mich. Gemeinsam schaffen wir alles, davon bin ich überzeugt. Natürlich haben auch wir unsere Baustellen und mir graut es vor vielen Entscheidungen in den nächsten Monaten. Das Abenteuer Patchwork startet ab Februar in der neuen Wohnung und ich weiss oft nicht, ob die Freude über unser neues Leben, das Tränenende Auge überwiegt. Das darf man nicht falsch verstehen, ich freue mich wirklich tierisch über HerrnRaufuss, die Wohnung und diesen neuen Lebensabschnitt. Ich gebe aber auch eine Wohnung auf, in der viel passiert ist. Ich reiße meine Tochter aus ihrem gewohnten Umfeld und verändere ihr ganzes Leben. Wer weiss, was ich einem Jahr über diese Veränderung zu berichten habe.

Mein schönster Moment in 2016?
Puh, das ist schwer. Ernsthaft. Und weil das so schwer ist, gibt es meine drei liebsten Momente in diesem Jahr.

Ein Frühstück , im Frühjahr des Jahres, gehört definitiv dazu. Tiefe Blicke, Unsicherheit, Bauchkribbeln, Millionen Schmetterlinge und viel Lachen beschreiben diesen wunderbaren Moment. Ja ihr ahnt es, der HerrRaufuss war nicht ganz unbeteiligt an diesem Frühstück. Kurz danach hat er übrigens gefragt ob ich jetzt einen Freund hätte und dabei haben seine Augen geleuchtet.

Mein schönster Moment mit dem Kalinchen ist soooo schwer zu finden. Wir hatten viele tolle Momente, sind uns näher gekommen und ein richtiges Team. Es gab im Sommer aber einen großen Streit zwischen uns. Wie das eben so ist. Tochter hat Mist gemacht, Mama ist sauer. Der Weinanfall dauerte ewig und ich saß schmollend auf dem Boden und zweifelte an mir als Mutter. Irgendwann ging die Tür auf, ein kleines Wesen huschte auf meinen Schoß, kuschelte sich an und sagte: „Mama, egal wie viel wir uns streiten. Ich hab dich lieb.“ (Puh, da rollen direkt die Tränen. Das ist wirklich wirklich so passiert) Danach entstand ein Versprechen an das große blonde Mädchen.

Und jetzt gähnen die ersten und Fragen sich, was die Raufuss da für ein Happy End versprochen hat. Wir fassen also zusammen. 2016 find echt echt mies und schlimm an, hatte aber im Laufe eine komplette Gradänderung im Gepäck. Den Gipfel besteigen wir gerade.

Da war nämlich noch so ein Moment. Dem wurde ein Moment im Zug vorgeschoben. Wir sprachen über unsere Zukunft und Herr Raufuss grinste, mit Augenglitzern und so, mich an und meinte: „Wir sollten einfach heiraten.“ Ich war sprachlos, wollte aber einen richtigen Antrag. Und ja, ähm, den gabs einen Abend später. Mit Kribbelwasser, Tränen und einem lauten Ja.

Und weil wir eben von der schnellen Truppe sind, alles anders machen und HerrRaufuss jetzt zum chaotischen Raufuss-Leben gehört, haben wir einfach noch in diesem Jahr geheiratet. Ganz klein, kuschelig, mit unseren Familien und meinen drei engsten Wegbegleitern.

Mein schönster Moment dabei, war der Blick von HerrnRaufuss nachdem er sein Geschenk ausgepackt hatte. Und damit jetzt auch wirklich alle Tränen in den Augen haben…

Also 2016. Geh ruhig zügig weg und bring uns das nächste Jahr. Lass diesen Höhenflug weitergehen, sperre die Sackgassen und bring uns allen mehr Liebe. Meine Worte zum Weltgeschehen sind aktuell wie nie…

Ich hab euch lieb, wünsche euch, dass eure Wünsche in Erfüllung gehen und eins noch: niemals aufgeben, auch aus dem tiefsten Loch geht es wieder nach oben!

DieRaufuss

6 Kommentare zu “Tschüss. Gedanken zum Jahreswechsel.

  1. *Tränen-wegwischen* 🙂

  2. Ich wünsche dir von Herzen, dass es für dich so weitergeht. Die Uni packst du, den Umzug mit dem Kalinchen auch. Ihr werdet neue, tolle Nachbarn kennenlernen und als kleine Familie zusammen wachsen.
    Auf ein fröhliches Jahr 2017.

  3. Es ist Silvester, 20:44 und ich Sitze am Bett meiner Kinder und obwohl sie schon fast lange schlafen, können die Tränen voll Rührung, Schmunzeln, und Verständnis über die vielen Ereignisse aus deinem Jahr nicht aufhören zu rollen. In manchen Beschreibungen habe ich das Gefühl, es hätte auch ich sein können, die das schreibt. Ich wünsche dir für das neue Jahr das aller allerbesten… Und einen tollen Spruch habe ich gefunden: es gibt keinen Grund zur Eile. Wenn etwas sein soll, wird es geschehen. Zur richtigen Zeit, mit der richtigen Person, aus dem besten Grund.
    In diesem Sinn caro

  4. Meine Erfahrung ist ja: Kinder leben sich so viel schneller in die neue Umgebung ein, dass man das alles gar nicht mitkriegt

  5. Gratuliere dir zur Hochzeit und wünsch euch alles Gute für eure gemeinsame Zukunft!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: