Leben Pädagogikkram

Medienerziehung. „Mama, ich möchte eine Folge gucken.“

Alltag im Hause Raufuss. Das Kind ist müde, genervt und von Langeweile geplagt. Die Spielsachen sind doof, die Malsachen sind doof und überhaupt ist alles doof. Immer genau dann, wenn das Kind feststellt, dass ihr Leben gerade ganz schlimm ist, schleppt sie das iPad an und möchte eine Folge gucken. Im besten Fall hat sie damit keinen Erfolg und ich biete ihr eine Alternative an. Meistens habe ich aber keine Chance und wir sitzen sekundenspäter auf der Couch und gucken schlechte Kinder-Trick-Film Folgen. Ich habe ja überhaupt nichts gegen gute Kinderserien, Petersson und Findus haben wir sogar auf DVD und lieben es.

ABER

Ich hab was dagegen, dass Kinder vor der Glotze geparkt werden.
Ich hab was dagegen, dass Eltern mit ihren Kindern Inhalte von Sendungen nicht nachsprechen und irgendwelche Deppen in der Kita rum erzählen, dass schießen und kämpfen mega cool ist.
Ich hab was dagegen, dass es anscheinend keine anderen Spielsachen mehr gibt.
Ich hab was dagegen, dass ich fast jeden Tag diskutieren muss und Handy, iPad und PC zu den alltäglichen Dingen gehören.

Ja gut, bei den meisten Sachen habe ich Mitspracherecht oder bin selber dafür verantwortlich. Daher gibt es bei uns einige Regeln.

Medienerziehung, nicht nur für das Kind

Die Kamera darf nur eine bestimmt Zeit am Tag genutzt werden. Das hat meiner Meinung nach mehrere gute Gründe. Das Kind lernt sich ihre Zeit einzuteilen, sie lernt, dass es durchaus auch andere Sachen gibt und man nicht den ganzen Tag mit der Kamera durch die Gegend laufen muss und sie lernt, dass Mediennutzung keine Selbstverständlichkeit ist.

Auch bei Folgen und Sendungen handhaben wir das so. Das sind Ausnahmen und wir besprechen vorher, wie viel geguckt werden darf. Klappt das nicht, so notieren wir das und es gibt ein paar Tage keine Folgen. Auch das klappt meistens ganz gut und sie weiss, dass das Privilegien sind und wir es uns dann ganz kuschelig machen. Freitags nach dem Fußball zum Beispiel. Dann liegen wir auf der Couch, essen heimlich Pizza und gucken einen Film. Das finde ich vollkommen ok und genieße diese Zeit. Im Bett besprechen wir dann, was wir gesehen haben und wie das Kalinchen den Film empfunden hat. So hat meine Mama das auch gemacht. Bei uns gab es Klassiker wie den Süderhof, Astrid Lindgrens komplette Palette, die Kinder vom Alstertal und die Pfefferkörner. Keine Trickfilme, wenn überhaupt als totale Ausnahme. Das ist bis heute so geblieben, ich liebe die Astrid Lindgren Klassiker und liebe es, diese mit meinem Kind auf der Couch zu gucken.
Als Pädagogin bin ich davon überzeugt, dass eine Erziehung auch im Bereich der Medien geschehen muss. Kinder müssen lernen mit Medien umzugehen und dürfen auf keinen Fall alleine losgelassen werden. Wir Eltern sind dabei keine guten Vorbilder. Da schließe ich mich bewusst mit ein. Das iPhone gehört zu meinem ständigen Begleiter und ich nehme mir jeden Tag vor, das Handy wegzulegen wenn das Kalinchen da ist. Eben mal schnell googeln gehört für sie dazu und oft erwische ich sie in ihrem Zimmer, wenn sie mit Siri spricht und sich kaputt lacht. Also muss auch ich an meiner Medienerziehung arbeiten.

Was ich Eltern rate?

Sprecht offen, je nach Alter des Kindes, über dieses Thema und signalisiert eure Sorgen. Das Kalinchen weiss ganz genau, dass das iPad nicht das wichtigste Gerät ist und wir auch mit anderen Dingen sehr viel Spass haben können. Sie weiss, dass man Kopfweh bekommen kann, wenn man zu lange auf den Bildschirm starrt und, dass im Internet viele komische Leute rumhüpfen und man aufpassen muss. Bei größeren Kindern helfen klare Absprachen, feste Zeiten und klar formulierte Regeln. Für das Handy gibt es super tolle Apps, mit denen ihr als Eltern einen guten Überblick haben könnt. Und auch Fernsehzeiten können festgelegt werden.

Ihr könnt euch wohl denken, dass der größte Wunsch des Kindes ein eigenes Handy ist. Zum Fotos machen und zum Skypen mit Oma. Ja ne, is klar.

Wie macht ihr das? Habt ihr Regeln?

FrauRaufuss

6 Kommentare zu “Medienerziehung. „Mama, ich möchte eine Folge gucken.“

  1. Klar gibt es Regeln. Von Zeit zu Zeit werden sie angepasst und sie sind von Kind zu Kind hier sogar unterschiedlich. Je nach Alter und Charakter des Kindes.
    Von Verboten halte ich wenig, aber nichts ist wichtiger als eine gute Medienerziehung in unserer heutigen Zeit. Dazu gehört zu. B. bei uns auch, dass die Kinder gefragt werden, ob ein Kunstwerk oder ein Foto von ihnen auf den Blog oder bei Insta veröffentlicht werden darf oder eben auch nicht.

  2. So handhaben wir das auch.

  3. Hey, ja bei uns gibt es auch Regeln, die finde ich sich sehr wichtig! An einem Sommertag gibt es selten fernseh oder Tablet…an einem Regentag gehört es dazu! Wir lieben die richtigen alten Märchen…haben wir alle auf DVD! An den Tagen machen wir es uns gemütlich und schauen fern! Danach werden die Gesellschaftsspiele raus gekramt!
    Es ist wichtig das Kinder wissen sich selbst zu beschäftigen! Denn wenn man immer bespasst wird, ob von den Eltern oder von den Medien, lernen sie es nicht! Lg

  4. Hallo,
    Ich habe in Deinem Text einiges gar nicht verstanden. Was ist das für eine Kamera, mit der das Kind rumrennt? Klingt spannend! Mein Sohn ist elf, der ist noch nie mit einer Kamera rumgelaufen. Filmt sie? Macht sie Bilder?
    Als mein Kind im Vorschulalter war, waren Filme hier extrem rationiert. Wir haben keinen Fernseher und er konnte noch nicht alleine ins Internet. Wir haben ihn auch nie alleine Filme sehen lassen. Und ein Handy mit Spielen gab es bei uns gar nicht, weil wir keins hatten.
    Wenn Filme, dann haben wir die mitgeschaut. Immer. Entweder auf DVD. Oder von youtube, von mir ausgesucht.
    Aber warum sollten Kinder keine Trickfilme sehen? Das habe ich gar nicht richtig verstanden.

  5. Ich gehe voll mit dir, was du hier schreibst. Das ist shcon ein etwas schwieriges Thema. Da ich noch keine Kinder habe, kann ich keine eigenen Erfahrungen dazu geben, aber ich denke, dass einfach das Vorbild der Eltern viel aus macht. Klar, will das Kind das dann trotzdem, wegen Freunden usw. Wir haben als Kinder uns Sendungen aussuchen dürfen, die dann auch erlaubt waren. Aber es wurde begrenzt, war nicht alltägllich. Genauso wie auch meine Eltern nicht ständig davor saßen. Ich schaue heute kaum etwas, habe nicht mal einen Fernseher. Und vermisse nicht das geringste. (-; Liebe Grüße von Caro!

  6. Ich glaube diese Begrenzung ist wichtig, um auch als Erwachsener eine richtige Einstellung zu haben. Liebe Grüße

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