„Ich weiss was wichtig ist!“ #Autogespräche

Das blonde Mädchen war die letzten Tage krank. Und erst am Donnerstag konnte sie wieder in die Kita gehen. Wäre da nicht die  Karnevalssause gewesen, hätte ich sie wohlmöglich auch noch einen Tag zu Hause gelassen. Morgens fuhr ich also einen nörgeligen Löwe in den Kindergarten. Der Morgen war grausam: die Zahnpasta war falsch, das Brot war falsch geschnitten, die Cornflakes waren doof, die Hose war doof, die Schminke war falsch und überhaupt war wieder alles falsch. Ich atmete einmal tief durch und grinste sie an.
„Spätzchen, atme jetzt mal durch. Du weißt ja genau, was sonst passiert. Ich möchte nicht mit schlechter Laune los…“

Die Verabschiedung in der Kita war problemlos und ich hoffte da noch, dass auch der Nachmittag entspannt werden würde. Lesen sie nun: ein Drama in einem Akt.

Um sie ein wenig zu schonen, holt ich sie früher ab als sonst. Das wünscht sie sich oft und da ich gerade „nur“ am Schreibtisch sitze und nicht jeden Tag in die Uni muss, freue auch  ich mich auf einen gemütlichen Nachmittag mit dem Kalinchen.
Den Zahn zieht sie mir allerdings innerhalb von 2 Sekunden. Ein bockiges und wütendes Kind begrüßt mich mit „Du kannst wieder gehen. Ich hab zu tun.“ OK. Atmen nicht vergessen. Ich gehe raus, hole tief Luft und gehe nochmal in die Gruppe. „Hallo mein Schatz. Hattet ihr ne tolle Party? Wollen wir uns zu Haus auf die Couch kuscheln und es uns gemütlich machen?“ Damit hat sie wohl nicht gerechnet. Ich hab allerdings in den letzten Jahren einiges dazugelernt und mein neuster Trick: das Kind einfach überlisten. Einen Schritt weiter sein oder aber etwas vorschlagen, womit niemand rechnet.
Das Kind guckt verdutzt und trabt mürrisch aus der Gruppe. 1:0 für Mama, der gemütlich Nachmittag ist wohl nicht zu übertreffen. Allerdings holt sie nach 10 Sekunden aus und besteht darauf, dass ich trotzdem doof bin und hier ja wohl klar wäre, wer der Chef ist. Eine andere Kita-Mutter lauscht unser Diskussion, guckt das blonde Mädchen an und sagt:“ Ach du bist der Chef. Machst du dann auch die Wäsche für Mama? Und wer fährt euch nach Hause, oder lauft ihr heute?“ Das Kalinchen ist peinlich berührt und zieht ihre Schuhe an. Für einen kurzen Moment bin ich davon überzeugt, dass wir es geschafft haben. Dass wir jetzt in aller Ruhe nach Hause fahren und uns gemütlich einen Filmklassiker anschauen. Das muss man nämlich manchmal machen.
Im Auto angekommen brauchen wir allerdings 23 Minuten, ein Telefonat mit Opa, der mehrfach versichert, dass man sich im Auto anschnallen muss und nach einer lauten Ansage ist das Kind tatsächlich angeschnallt. In meinem Kopf streiten sich Engelchen und Teufelchen, ob dem armen Kind das alleinige Anschnallen zugemutet werden kann. „Wie kannst du als Mutter nur zusehen, wie sich dein Kind in Rage diskutiert?“ Ich bleibe standhaft und bestehe auf das Anschnallen. Laut heulend fahren wir endlich vom Parkplatz. Ich bin nass geschwitzt und halte eine Rede über kranke Kinder, die auch für Mamas unglaublich anstrengend sind. Darüber, dass ich mich so gefreut habe und jetzt saurer als eine Zitrone bin. Darüber, dass sie demnächst alleine zu Hause bleiben kann, wenn das so weitergeht und darüber, dass ich sofort anhalte und sie dann nach Hause laufen kann. Ok. Das war wohl ein bisschen zu hart aber auch Mamas machen Fehlern. „Schluchz. Maaamaa, aber ich weiss doch gar nicht den Weg. Ich bin doch erst 4.Schluchz.“ Ich entschuldige mich, sage, dass ich einfach traurig bin und mich sowas sauer macht.

Als ich vor dem Haus einparke und frage, ob wir denn oben normal weitermachen können und den Streit vergessen sollen, passiert es. Das kleine blonde Mädchen schnallt sich ab, klettert nach vorne, nimmt meinen Kopf und küsst meine Stirn. „Ach Mami, streiten ist doch wichtig sagst du immer. Ich weiss aber trotzdem was wichtig ist. Das Vertragen und das Lieb haben. Und das machen wir jetzt.“ Eine kleine Träne läuft über meine Wange. Siehste, da hört wohl doch einer zu, bei deinen ewigen Vorträgen, FrauRaufuss.

Ach du blondes Mädchen, ich hab dich lieb.

Die Raufuss

4 Kommentare zu “„Ich weiss was wichtig ist!“ #Autogespräche

  1. Frau_Pauls

    ❤❤❤❤

  2. Wir schicken dir <3 zurück!

  3. Ich schmelze dahin… Du bist ne tolle Mama mit ner tollen Tochter! ❤

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