Friede, Freude, Eierku- ach scheiße.

„Ist das alles? Du hast mich angelogen. Hier ist gar nichts toll.“ Das Geburtstagskind stampft durch die Wohnung, sichtet die Partydeko, den Kuchen und die Geschenke. Alles ist doof, nicht richtig und überhaupt hat Mama hier total versagt.

Aber mal von vorne, am Abend vorher. Ich backe bis spät in die Nacht einen Piratenkuchen. Ein Schiff mit Segeln, Gummibären-Piraten, Rudern und allem Schnipp und Schnapp. Ich fluche über diese bescheuerte Idee und denke immer wieder daran, dass ich das Kind so sehr liebe und es ihr großer Wunsch war. Vorher habe ich stundenlang Girlanden, Luftballons und Luftschlangen in der Wohnung platziert. Eine Mischung aus übertriebener Karnevalsdeko nach dem Motto „Viel hilft viel“. Im Wohnzimmer hängt ihr Name in goldenen Luftballons an der Wand und die Zahl 5 strahlt durch den ganzen Raum. Der Tisch ist mit ihrer Geburtstagsraupe und ganz vielen Luftschlangen dekoriert.

Die Geschenke sind, nach bestem Gewissen ausgesucht, so eingepackt, wie Madame es gerne hat. Ohne viel SchnickSchnack und mit Dino-Papier. Kurzum: Mutti hat sich große Mühe gegeben, die Bude wie eine Blöde geputzt, eingekauft für „Die Party“, tagelang an nichts anderes gedacht und jetzt? Jetzt steht sie heulend im Flur und weiss nicht, warum sie so blöd ist?!

Mal ehrlich. Ich treibe dieses Spiel nun im fünften Jahr. Jedes Jahr plane ich diesen Geburtstag wie einen Staatsakt. Ich suche wochenlang nach Geschenken, lege auf Pinterest Boards für Kuchenideen an, kaufe die Supermärkte der Umgebung leer, verwandle die Bude in eine Partyhöhle (Partyhölle wohl eher) und bin in einem totalen Geburtstagsrausch. Wozu das Ganze?

Samstagabend liegt der Mann erschöpft neben mir. Den ganzen Tag war die Bude voll. Mit Familie, Freunden und vielen vielen Kindern. Ich steh da ja drauf. Ich kann nicht beschreiben wie es hier aussieht, es gleicht einem Partyausbruch der Oberklasse. „Das machen wir aber jetzt nicht immer so oder?“

Himmel, Arsch und Zwirn. Ich bin wirklich wütend und auch traurig. Und vielleicht auch eine Spur sauer auf mich. Wie kann man so blöd sein? Ich hätte auch einfach einen Kuchen backen können, eine Kerze drauf stecken können und gut. Ich kenne es aber genauso. Eine Spur übertrieben, denn der Geburtstag war bei uns zu Hause immer ein großes Spektakel. Meine Mama hat immer Zahlen an sämtliche Türen und Fenster geklebt, wir hatten viele Girlanden und alle eine Kopfbedeckung auf dem Kopf. Und so funktioniert das eben. Man feiert diesen Tag mit den Menschen, die man liebt und gerne hat. Und man feiert den Menschen, der an diesem Tag wieder ein Jahr älter wird. Man erinnert sich an die Geburt, das Größerwerden, an doofe Nächte, das erste Lächeln, den ersten Schritt und an die wunderbaren Momente.

„Hier ist gar nichts toll.“ Nachdem ich mir die Tränen aus dem Gesicht gewischt habe, mir einen Kaffee gekocht habe und die Geschenke für einen kurzen Moment weggeräumt habe, kommt das Kind auf den Schoß. Es kuschelt sich an und meint: „Entschuldige Mama. Darf ich jetzt die Geschenke auspacken? Ich hab doch heute Geburtstag und bin endlich, endlich 5. Wie war das denn, als ich geboren wurde?“ Und so sitzen wir auf der Couch, sie liegt wie vor fünf Jahren auf mir drauf und ich erzähle ihr, zum wohl hundertsten Mal, wie das so war vor fünf Jahren. Wie ihre großen Augen die Welt bestaunt haben und wie groß ihre Füße waren.

Ich werde diesen Tag wohl die nächsten 30-50 Jahre so feiern. Mit TammTamm, viel zu viel Deko, Piratenkuchen und jeder Menge Partyhüten. Dieser Tag hat mein Leben verändert, er hat es schöner, bunter und aufregender gemacht. Dieser Mensch, der mir geschenkt wurde, ist es wert. (Auch wenn wir wohl bis Weihnachten noch Konfetti aus den Ecken saugen werden und der Mann die nächsten Jahre den Tag in der Saune verbringen möchte…)

 

FrauRaufuss.

2 Kommentare zu “Friede, Freude, Eierku- ach scheiße.

  1. Hi, ich liebe Deine Beiträge, die sind immer so aus dem Leben gegriffen und selbstironisch, wunderbar! Und vermutlich kennen es alle Eltern, hier war bisher Geburtstag Begeisterung (auch am 5.), aber dafür gibts eben sonst so Situationen, wo man sich ein Bein ausgerissen hat, etwas besonders toll zu machen und dann heißt es, man sei gemein und es wird geheult. Aber schöne Wendung! Kuscheln ist meistens die Lösung. Liebe Grüße!

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