Mama, Papa, Kind = Familie?

Was ist eigentlich eine Familie? Früher dachte ich immer, dass dazu eine Mutter, ein Vater und ein bis unendlich viele Kinder zählen. In der Grundschule war ich ein totaler Freak, denn ich war das einzige Kind mit zwei Vätern, drei Omas und vier Opas. Immer wenn ich meine Familiengeschichte erzählen musste, verstand das ganze Chaos immer niemand.

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass meine frühere Familie eben ein bisschen anders und chaotischer war. Als mein Stiefvater und meine Mutter sich dann auch noch trennten, war meine Welt für einen kurzen Moment total zerstört. Denn meine neu zusammengewürfelte Familie war jetzt nur ein Dreieck und meine Väter waren beide nicht mehr da. Meine Mutter gab sich die größte Mühe, für uns Mama und Papa zu sein. Doch der Wunsch nach einer Familie in mir wuchs mit jedem Tag.

Als das Kalinchen geboren wurde, war mein Glück perfekt. Meine eigene kleine Familie und doch gab es da wieder einen Unterschied zu den „richtigen“ Familien in unserem Umfeld. Die meisten waren verheiratet, führten ein anderes Leben und schauten uns mit großen Augen an. Als wir uns trennten und ich aufeinmal mit dem blonden Menschen alleine da stand, war mein Wunsch und die Illusion  einer eigenen Familie wieder dahin.

Als ich HerrnRafuss kennen lernte, spürte ich sofort, dass ich mit ihm eine Familie haben möchte. Vom ersten Tag an, war da dieses Gefühl, diese Zuneigung und auch die Geborgenheit, die ich lange vermisste. In den letzten Wochen ist das Thema Kinderwunsch ein großes Thema bei uns und wir sind uns da nicht immer einig. Für mich stand immer fest, dass zu einer Familie auch gemeinsame Kinder gehören und wir nur ein Haufen verrückter und sich liebender Menschen sind. HerrRaufuss hat mir da aber vor einigen Wochen die Augen geöffnet.

„Wir sind zu dritt schon eine Familie.“

Und das kann ich heute sofort unterschreiben. Wir sind eine Familie. Wir leben zusammen, streiten zusammen, lieben zusammen, teilen zusammen unsere Sorgen und Gedanken und leben ein gemeinsames Leben. Heute am Strand habe ich meine kleine Familie angeschaut und war für jede Sekunde mit den beiden einfach nur dankbar. Patchwork ist nicht immer einfach und erfordert viele viele Kompromisse von allen Seiten. Der Gedanke einer gemeinsamen Einheit ist aber das, was uns jeden Tag ermutigt den Sand nicht enden Kopf zu stecken und weiter zu kämpfen. Denn es lohnt sich. Lachende Kinderaugen, schnulzige verliebte Blicke und ganz viel Ruhe braucht es dafür.

Wir werden unsere kleine Familie jetzt für einige Tage an der Nordsee genießen, Und wenn jemand ein blondes Kind sieht, dass durch die Wellen springt und laut lacht, dann ist das bestimmt das Kalinchen. Die zwei verliebten Spinner, die auch durch Wellen springen (die eine hält dabei panisch ihr Handy fest) sind dann wohl HerrRaufuss (den ich gerade jetzt für seine Geduld liebe) und ich.

Schnulzige Grüße
DieRaufuss

 

4 Kommentare zu “Mama, Papa, Kind = Familie?

  1. Gänsehautmoment. Danke Dir 🙂

  2. so schön geschrieben! und absolut wahr. Meine Mutter hat damals, als mein Vater als mein Vater ging, gemeint, wir seien eben „der glückliche Rest der Familie“. Denn glücklich waren wir. Es gibt so viele Konstellationen.

  3. „…was uns jeden Tag ermutigt den Sand nicht enden Kopf zu stecken …“
    Aus dem Alter, in dem man sich Sand in den Kopf steckt, seid ihr wohl inzwischen ALLE raus, oder? Ich hatte schon einen Schuh im Stein, war auch gut. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: