Dieser eine Moment.

„Hast du mich schon immer lieb gehabt?“ Wir sitzen im Bett, das Kalinchen will nicht aufstehen und viel lieber kuscheln. „Mama, dein Herz ist doch so groß, war ich da schon immer drin? Und wie viel Platz ist da noch?“ Ich muss ein wenig lachen, denn darüber habe ich mir schon oft Gedanken gemacht.

Ich erzähle ihr von dem Tag, der nun schon ganz schön lange her ist, an dem ich sie das erste Mal gesehen habe und von ihrem ersten Foto. Davon, dass ich am Anfang gar nicht wusste, wer mich da überraschen wird. Davon, dass mein Bauch immer dicker wurde und ich ihre kleinen Füße ganz oft gefühlt habe. Davon, dass sie mich immer nach getreten hat und noch heute genau zu dieser Uhrzeit einmal wach wird. Manchmal schläft sie dann weiter und manchmal rutscht sie ganz dicht an mich heran, sucht meine Hand und schläft mit viel Liebe weiter.

Ich erzähle ihr, dass ich meinen Bauch ganz stolz durch die Gegend getragen habe, dass ich jeden Tag bis zu ihrer Geburt gezählt habe und davon, dass sie das Wichtigste in meinem Leben ist. Davon, dass ich gerne ihre Löwenmama bin und immer für sie da sein werden. Davon, dass man auch mit fast 5 kuscheln darf. Und irgendwann laufen dicke Tränen über mein Gesicht.

Dieser kleine Wirbelwind hat es gerade nicht einfach. Ihr bester Freund ist weggezogen, ihre Eltern haben sich räumlich getrennt und sie sucht ihren Platz. Gestern hat sie ihre ersten Wörter gelesen, freut sich mit jedem Tag mehr auf die Einschulung in einem Jahr und wünscht sich so sehr einen großen Garten, einen Hund und eine ganz große Geburtstagsparty. Ich spüre ihr Bedürfnis nach Geborgenheit und ganz viel Liebe jeden Tag mehr. Ganz oft sitzen wir eingekuschelt und ich schaukele sie wie vor fünf Jahren. Sie verkriecht sich in meine Arme, will mir ganz nahe sein und saugt Kraft und Liebe aus mir. Und in diesen Momenten weiss ich, dass die Liebe in meinem Herzen niemals enden wird. Dass dieses Herz so groß ist und täglich daran arbeitet, dass die Liebe sich vermehrt.

Manchmal bin ich verzweifelt, möchte schreien und ihr diese schwierige Zeit abnehmen. Das einzige was ich ihr immer geben kann ist ein großes Herz, Liebe und ein offenes Ohr. Und dann weiss ich, dass ich sie schon immer lieb gehabt habe.

„Weißt du Berti, das einzige worauf es doch ankommt ist, dass man sich lieb hat, dass man sich festhalten kann. Immer wenn du eine Portion Mama brauchst, dann bekommst du die. Ich habe dich schon immer lieb gehabt und jeden Tag wird es mehr und mehr.“

Als sie endlich aufsteht, ihre Zähne putzt und sich unter Protest anzieht, zieht sie meinen Kopf runter, gibt mir einen Kuss auf die Stirn und sagt: „Und genau deshalb habe ich dich als Mama ausgesucht. Weil ich dich nämlich auch schon immer lieb gehabt habe.“

FrauRaufuss

2 Kommentare zu “Dieser eine Moment.

  1. Oh wie schön

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