Der Brief an mich selbst…

kam schon vor einigen Jahren bei mir an. Ich schrieb ihn auf den Tagen religiöser Orientierung in der 10. Vor 2 Jahren kam er an. Ich habe mich lange gestreubt ihn zu lesen, verwirrte Gedanken einer 16 jährigen mitten in der Hochphase ihrer Pubertät passen kaum zu einer frischgebackenen Mutter. Aber hätte ich damals geahnt, dass ich ein Jahr nach dem Abi das wundervollste Geschöpf der Welt im Bauch trage, hätte ich mich bestimmt für total bescheuert erklärt.

Aber erstmal zu dem Brief: Auf den TRO hab ich mich unsterblich verliebt in Michi, ja so wie 16 jährige das eben machen, mit Händchen halten und tiefen Blicken. Mehr lief da nicht. Dass meine Mutter fast angerufen wurde weil ich nachts im fremden Bett erwischt wurde müssen wir ja an dieser Stelle nicht weiter thematisieren. ( Wir sind wirklich nur eingeschlafen, ich habe Zeugen!)

So und an diesen Tagen sollten wir einen Brief an uns schreiben, wie wir uns das Leben in 5-7 Jahren vorstellen. Frau Raufuss schrieb folgendes: Du hast dein Abi super bestanden, studierst Jura und wirst Staatsanwältin. Du hast ein tolles Auto und eine schicke Wohnung, kommst mit deiner Familie wunderbar aus und alles ist super. Die Realität: Das Abi ist so lala ausgefallen, die Juristen wollten mich damit auch nicht haben. Im ersten Versuch habe ich Theologie und Niederländisch studiert, ja wirklich immer wieder ein Kracher. Jetzt bin ich fast Sozialpädagogin, aber damit total unglücklich. Mein Auto ist immer noch das kleine Schwarze, auch mit Kind und die Wohnung, die ist ganz ok. Könnte ne größere Küche haben. Ja und das mit der Familie ist ja so eine Sache. Alles super ist relativ.

Wie es gelaufen ist nach dem Brief? Die große Liebe war der Michi ja nicht, schnelles Ende nach nur wenigen Tagen. Und knapp ein Jahr nach dem Abi bekam ich das Kalinchen.

Ich mag keinen Brief an mich in 5 oder 10 Jahren schreiben, auch keinen wenn ich mal Oma bin. Die Erlebnisse die mir einfach so passiert sind, ohne dass ich sie bewusst wollte, waren die Schönsten. Das Kalinchen ist ein Geschenk, oft glaube ich, dass sie von jemandem aus dem Himmel geschickt wurde, damit wir nicht mehr so traurig und alleine sind. Mit ihr ist die Schwere des Lebens einfacher zu ertragen. Egal wie schlimm der Tag war und auch egal wie schlimm das Leben ist, wenn ich sie angucke und sie erzählt und lacht, weiss ich, dass alles gut wird. Sie ist ein Geschenk. Unser Geschenk.

Sollte ich irgendwann mal Oma werden, bitte Kind studiere erst und lass dir Zeit mit Kindern und wenn nicht, bekommen wir das auch hin, dann möchte ich so sein wie meine Mama. Denn sie ist eine wunderbare Oma. Sie hat keine Chance beim Memory spielen, zieht sich immer noch Schlüpfer auf den Kopf (natürlich saubere), singt die wunderbarsten Lieder, lacht sich kaputt, redet Unsinn und ist einfach für uns da. Uns das war sie immer, hat den fehlenden Elternteil ersetzt und gibt alles für uns.

Vielleicht schreibe ich doch einen Brief:

Liebe Frau Raufuss,

dein Leben ist perfekt, wenn es so ist wie es war. Du hast die Menschen um dich, die du brauchst und die dir Kraft geben. Das Kalinchen ist ein großes, hübsches und schlaues Mädchen. Dein Studium hast du abgeschlossen und endlich den Beruf gefunden, der dir Spass macht und dich erfüllt. Vor kurzem habt ihr alle ein Generationen-Haus gekauft. Jeder hat seinen Eingang und seinen Bereich, trotzdem seid ihr Eins. Du bist glücklich und dankbar, für deine Familie und deine Freunde. Genieße das!

In diesem Sinne, die Tucker würde jetzt sagen: Wisch dir die Heule aus dem Gesicht, sieht schrecklich aus.

Frau Raufuss

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